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Ostpreußische
Weihnachten

Ostpreußische Weihnachtsgedichte:

Ostpreußische Weihnachtserinnerung:

Weihnachten in Ostpreußen

In jedem Jahr zur Weihnachtszeit,
wenn Hof und Fluren eingeschneit
und weihnachtlich geschmückt die Straßen
und Tannenbäum' auf Markt und Gassen,
wenn Weihnachtsduft in allen Räumen,
die Kinder nachts vom Christkind träumen,
auf Tannengrün die Kerze brennt,
dann ist Advent.

Bald naht ersehnt die Heil'ge Nacht,
in der uns einst das Heil gebracht.
Vom Himmel rieselt sanft der Schnee,
in weißem Kleid ruhn Feld und See.
Der Christbaum strahIt im Kerzenschein,
Lametta glänzt wie Edelstein.
Gar schön die Kugeln anzuschaun,
und Tannenduft erfülIt den Raum.
Und unterm Baum bei Esel und Rind
da liegt im Stall das Jesuskind,
der Gottessohn, der Herr der Welt,
und Hirten wachen auf dem Feld.

      

Zur Mette gehn die Leute gern,
zu feiern die Geburt des Herrn.
Die Nacht ist kalt, erstarrt der See,
der Pferdeschlitten knirscht im Schnee.
Es bimmeln die Glöckchen und singen,
und hell die Schellen erklingen.
Wie Sphärenmusik von Geisterhand
ziehn rhythmisch Töne durch das Land.

So feierten wir die Ankunft des Herrn,
der uns in seliger Nacht
Erlösung, Heil und Frieden gebracht.
Oh, segne uns gnädig mit gütiger Hand
und unser liebes Ostpreußenland.

Aloys Sommerfeld

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Albertchens Wunschzettel am lieben
W e i h n a c h t s m a n n

Lieber Weihnachtsmann! Mit Wünschen
Komm ich Dir auch dieses Jahr,
Weil ich weiß, daß merscht mein Prachern
Nich bei Dir vergebens war.

Bring mich eine Sittenmappe,
Oder bring se, bitte, leer,
Und auch einen Fohnegrafen,
Einen Helm und Schießgewehr.

Laß dem Kuchen nich geraten,
Wo zu Haus die Muttche bäckt,
Und wo mir zwar immer prächtig,
Aber nach zu wenig schmeckt.

Wenn er nämlich wird ganz klietschig,
Is die Eltern er zu schwer,
Und denn kriegen wir gewöhnlich
Mit das Mädchen desto mehr.

Marzepahn laß runter fallen
Von dem Teller Stücker zehn,
Daß sie mir zur Weihnachtsfreude
Gleich in lauter Kriemels gehn.

Solche Kriemels gibt die Muttche
Denn uns Kindern nebenbei,
Und Du mußt bloß dafür sorgen,
Daß es nicht zu wenig sei.

Sonsten wünsch ich mir man wenig,
Bin bescheiden, wie Du weißt
Sag mir bloß noch, wie das Frauche,
Wo dem Fritz gebracht hat, heißt.

        

Kallweits Katz bring mit dem Zagel
So, geliebter Weihnachtsmann,
Zwischen unsre Hausentüre
Daß ich ihm beklemmen kann;

Denn er hat mir oft geärgert,
Wenn ich tat ihm Schabernack,
Daß ich jetzt ihm rein zum Possen
Nur noch lieber zergen mag.

Neulich als ich ihm belapsde
Bei die Milch und ihm verhaut,
Machd er "Pchchch" und hat mit eins mich
In der Nase reingeklaut.

Kuhnke's Franz laß Masern kriegen,
Wenigstens auf eine Woch, -
Denn denn krieg zum Schlittche fahren
Ich sein schönes Schlittche doch.

Und noch eins: Dem Stock vom Lehrer,
Darum bitt ich Dich zum Schluß, -
Schmier mit Zwiebeln ein, so dichtig,
Daß er auf mir platzen muß.

Hast Du alles dies bedeichselt,
Und bist wieder weggehuscht,
Lieber Weihnachtsmann, denn Dank schön
Und - denn will ich weiter nuscht!

A. de Resee

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Fritzchens Weihnachtswünsche

Nu bitte, lieber Weihnachtsmann,
Dir runter aufe Welt ich,
Wer weiß bloß, ob das Bitten nitzt,
Der Vater hat kein Geld nich.

Drum wer ich man bescheiden sein
Und nich zuviel verlangen,
Denn mit e leeres Portmanneh
Is doch nuscht anzufangen.

Zuerst, das is das Wichtigste,
Von wegen meine Vieren,
Tu man beizeiten aus em Schrank
Dem Rohrstock wegradieren.

Und wenn das nich zu machen geht,
Daß du ihm kannst wo klauen,
Schick man dem Vater Herxenschuß
Denn kann er mir nich hauen.

Dem Kuchen, wo de Muttche backt,
Dem feinen Streiselfladen,
Mit viel Rosinen mittenmang,
Laß klietschig man geraten.

Die andern tuen aller denn,
Man bloß e Schnipsche essen,
Bloß ich allein, ich hau mir rein
Und kann mir ieberfressen.

        

Die Schmerzen, wo im Bauch denn gibt,
Die brauchst mir noch nich schicken,
Mit die kannst nach die Ferien erst
Mir freindlich denn beglicken.

Denn Asperin und FLiedertee
Und heißem Sirup schlucken
Is allens immer besser noch,
Wie in die Schule hucken.

Dem Rodelschlitten, wo ich will,
Dem tu mir man besorgen,
Vormittag, wenn ich ihm nich brauch,
Wer ich ihm dir auch borgen!

Und sonst - na weiter is ja nuscht,
Was soll ich noch viel schreiben, -
Ach so, zu Ostern laß mir doch
Bestimmt nu hucken bleiben.

Die Schularbeiten kann ich mir
Denn aus em Aermel schlackern,
Denn brauch ich doch e ganzes Jahr
Mir nich so doll zerrackern.

Nu heer ich auf, das Schreiben is
Fier mir e reine Plage.
Vergiß man nuscht! Auf Wiedersehn!
Vergniegte Feiertage!

Dr. Alfred Lau

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Ostpreußisches Gangellied to Wihnachte

Schlop in, min Kind, de Stov ist warm,
do bute danzt de Flockenschwarm.
Lot suse de Flocke,
so rasch jeiht de Wocke.
Du sluppst, eck spenn,
die Ovend jeiht hen.

Schlop in min Kind,eck wack bi di,
de Wihnachtsschemmel jogt värbi.
Lot larme de Schemmel,
Gott's Licht steiht am Hemmel.
Du sluppst, eck spenn,
de Ovend jeiht hen.

Schlop in, min Kind, bunt is din Droom,
rot Appel weßt am Wihnachtsboom.
Singt bute de Wind,
eck sing for min Kind.
Du sluppst, eck spenn,
de Ovend jeiht hen.

Slop in, min Kind, 't is hillige Nacht,
Gott's Engelke di stell bewacht.
Dat glut met sin Lichtke
di jrad ens Jesichtke.
Du sluppst, eck spenn,
de Wihnacht jeiht hen.

"Der heimattreue Ost-und Westpreuße"

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Das große Licht

Die wir in Todesschatten
So lang gesessen sind
Und kein Erleuchtung hatten,
In Gottes Sachen blind,
Und konnten nichts verstehen,
Nicht Gnaden noch Gericht,
Sehn über uns aufgehen
Anjetzt ein großes Licht.

Ein Licht, dadurch wir schauen
In Gottes Herz hinein,
Daß er in Zuvertrauen
Der Unsre nun will sein,
Ein Licht, das heftig brennet
In unser Fleisch und Blut,
Daß sich ein Mensch erkennet
Und was für Sünd er tut,

Ein Licht, das plötzlich fähret
Tief in der Gräber Nacht
Und uns den Tod erkläret
Mit aller seiner Macht,
Das uns vor Augen malet,
Wie nichts sei Welt und Zeit
Und wie vor allem strahlet
Der Glanz der Ewigkeit.

Simon Dach

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VOM HIMMEL HOCH

"VOM HIMMEL HOCH'"
Horch, wie es klingt,
Botschaft, die Kind und Engel singt
Beim Glanz der Lichterbäume.
Erinnerung wandert, Schritt für Schritt,
Leissingend zu dem Stalle mit
Durchs Land der Kinderträume

"ICH BRING EUCH GUTE NEUE MÄR, -"
Geschwister, sagt, wo kommt ihr her,
Durch Nacht und erste Flocken?
- Wir gingen lang. Der Weg war weit,
Wir seufzten über schwere Zeit,
Da riefen uns die Glocken.

"DER GUTEN MÄR BRING ICH SO VIEL,
Wie ein zerbrochnes Kinderspiel
Halten wir unser Leben.
0 Christkind dort im Strahlenglanz,
0 Wunderhand, mach heil und ganz,
Was Du uns heil gegeben!

"DAVON ICH SING'N UND SAGEN WILL,
0 Herz, wie wirst du rein und still,
Wo blieben Haß und Sorgen?
Wir hängen an des Krippleins Rand
Wie Kinder an der Mutter Hand,
Unschuldig und geborgen.

"O HERR, DU SCHÖPFER ALLER DING, -"
Wir knieen mit im Strahlenring
Aller, die Dich preisen,
Hier gilt nicht Ruhm, hier gilt nicht Zeit,
Hier einigst Du, Holdseligkeit,
Die Törichten und Weisen.

"SEI UNS VILLKOMMEN, EDLER GAST, -"
Der heute Du geladen hast
Die Lebenden und Toten,
Engel und stumme Kreatur,
Gestirn und Hirt und Heu der Flur
Zu Deinem Dienst entboten!

"DAS HAT ALSO GEFALLEN DIR, -"
Daß wir zu dieser Stunde hier
Wunder der Wunder spüren:
Wie alles Freund und Bruder ist,
Und aller Weg ein Weg nur ist,
Zu D i r zu führen!

"O DU HERZLIEBSTES JESULEIN, -"
Schon will sich wie ein Altarschrein
Die Stalltür leise schließen.
Ein Spalt nur schimmert hell und hold, -
0 sei barmherzig! Laß sein Gold
In unsern Alltag fließen!

0 laß es leuchten licht und fern
Durch irdisches Dunkel wie ein Stern,
Wegweisend unsern Wegen.
Lang ist ein Jahr. Der Weg ist schwer.
"VOM HIMMEL HOCH, DA KOMMST DU HER, -"
Wir wandern D i r entgegen!

Agnes Miegel

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An das Christkind

Wärscht du leevet Christuskind
doch to ons jekomme,
ach wi hedde di so jeern
bi ons oppgenomme.

Onse Husdeer ös bi Nacht
ömmer lange oope,
on de Weeg ös ook noch doa,
ön de wi geschloape.

Weeke Wolle spönne wi
opp dem oole Wocke,
färr de Feetkes krögtest du
scheene warme Socke

Linne is ook ön de Load -
binoah 15 Elle,
on wenn du nich schloape kannst,
war wi wat vertelle.

Ach wi wörd di doch so jeern
eenmoal noch omoarme
on dem kleene Todeck denn
anem Oove woarme.

Käte Sender

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Vär Winachte

Witt öngemummelt liggt de Welt -
ök goa so hen on dreem -
De Frost, da knöppt, dat Schneke fällt,
et riekt noa Dannebeem.

Dat ös de röchtge Winachtsloft -
mi warrt so week to Sönn.
Ök hevv mi e Hampelmann gekofft
on een Kommruut - kommrön.

Ök kick mien Späältieg selig an -
mench ener drellt sök om:
,,Wat späält da möt dem Hampelmann -
so oolt on noch so domm!"

Nu huck ök oler Junggesell
ön miner Stoav alleen -
dat Moondke schient - mi warrt so hell,
äs kunn ök Geister seen'.

Mien Späältieg mi ganz schummrig stömmt -
moakt nich de Däär sök op?
Mien Mudder kömmt, mien Voader kömmt
an strikelt mi den Kopp:

"Wie freit ons dat, ons oler Sään,
dat Du nich trurig granzt -
wie ös dat doch von Di so scheen,
dat Du noch späle kannst;

De Mönsche wanke her on hen,
dat Glöck, dat stiegt on föllt -
sulk späältiegfreidger Kindersönn
buut sök sien bäätre Welt ..."

Walter Scheffler

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Weihnachtslied

Brich an, du schönes Morgenlicht!
Das ist der alte Morgen nicht,
der täglich wiederkehret.
Es ist ein Leuchten aus der Fern',
es ist ein Schimmer, ist ein Stern,
von dem ich längst gehöret.

Nun wird der König aller Welt,
Von Ewigkeit zum Heil bestellt,
ein zartes Kind geboren.
Der Teufel hat sein altes Recht
am ganzen menschlichen Geschlecht
verspielt schon und verloren.

Der Himmel ist jetzt nimmer weit,
es naht die sel'ge Gotteszeit
der Freiheit und der Liebe.
Wohlauf, du frohe Christenheit,
dass jeder sich nach langem Streit
in Friedenswerken übe!

Ein ewig festes Liebesband
hält jedes Haus und jedes Land
und alle Welt umfangen,
wir alle sind ein heil'ger Stamm,
der Löwe spielet mit dem Lamm,
das Kind am Nest der Schlangen.

Wer ist noch, welcher sorgt und sinnt?
Hier in der Krippe liegt ein Kind
mit lächelnder Gebärde.
Wir grüßen dich, du Sternenheld!
Willkommen, Heiland aller Welt!
Willkommen auf der Erde!

Max von Schenkendorf

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An den Weihnachtsmann

Min lewer goter Wiehnachtsmann
ek mot oft an di denke,
du warscht ons wohl to Wiehnachte
wie ömmer riek beschenke

De Opa brukt e nie Bröll,
denn kann he got studeere,
de Oma brukt e Omschlagdok,
denn brukt se nich to frere..

De Mudder schafft bet enne Nacht
ös flietig wi Fru Holle,
Onn wiel se väl to stricke hett,
schenk ihr e Pungel Wolle.

On wat dem Voader freie möcht,
doa bruk ök nich väl rede,
dat wer e scheene kleene Klock
fär onsem Klingerschläde.

Ök wönsch mi far de Wintertied
poar scheene feste Schlorre,
wenn togefrore ös de Diek
denn wöll ök gohne schorre.

Di wönsch ök fer dem wiede Wegg
poar scheene warme Stewel,
on wenn ök so vel Wönsche hebb,
dat nömm mi man nich ewel.

Unbekannt

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Kaschubisches Weihnachtslied

Wärst du, Kindchen, im Kaschubenlande,
wärst du, Kindchen, doch bei uns geboren!
Sieh, du hättest nicht auf Heu gelegen,
wärst auf Daunen weich gebettet worden.

Nimmer wärst du in den Stall gekommen,
dicht am Ofen stünde warm dein Bettchen,
der Herr Pfarrer käme selbst gelaufen,
dich und deine Mutter zu verehren.

Kindchen, wie wir dich gekleidet hätten!
Müsstest eine Schaffellmütze tragen,
blauen Mantel von kaschubischem Tuche,
pelzgefüttert und mit Bänderschleifen.

Hätten dir den eig'nen Gurt gegeben,
rote Schuhchen für die kleinen Füsse,
fest und blank mit Nägelchen beschlagen!
Kindchen, wie wir dich gekleidet hätten!

Kindchen, wie wir dich gefüttert hätten,
früh am Morgen weisses Brot mit Honig,
frische Butter, wunderweiches Schmorfleisch,
mittags Gerstengrütze, gelbe Tunke,

Gänsefleisch und Kuttelfleck mit Ingver,
fette Wurst und goldnen Eierkuchen,
Krug um Krug das starke Bier aus Putzig!
Kindchen, wie wir dich gefüttert hätten!

Und wie wir das Herz dir schenken wollten!
Sieh, wir wären alle fromm geworden,
alle Knie würden sich dir beugen,
alle Füsse Himmelswege gehen.

Niemals würde eine Scheune brennen,
sonntags nie ein trunkner Schädel bluten,
wärst du, Kindchen, im Kaschubenlande,
wärst du, Kindchen, doch bei uns geboren!

Werner Bergengruen

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Hanschens Weihnachtswünsche

Langsam ging das Jahr zur Neige,
bedeckte Schnee die kahlen Zweige,
und der alte Weihnachtsmann
zog seine langen Stiefel an.
Er wär', das ist nicht übertrieben,
lieber am Ofen huckengeblieben
Ja, er dacht' mit Unbehagen
an die vielen krätschen Blagen,
die dem Weihnachtsmann, dem lieben,
einen Wunschzettel geschrieben.
Der schönste, den er je gelesen,
ist vom Hansche doch gewesen.
Der schrieb in seiner Sonntagsschrift
und mit abgebrochenem Stift:

Ich wünsch mir, lieber Weihnachtsmann,
daß ich orntlich husten kann,
denn brauch' ich nich zur Schule jehn,
und das wär' so wunderschen!
Sonst wünsch' ich mir al garnuscht mehr,
bloß, daß der Herr Lehrer, bitte sehr,
seinem Hexenschuß möcht' kriejen
und aufe Wärmflasch denn muß liejen,
daß, ach, lieber Weihnachtsmann,
er mir nich so triezen kann.
Der piesakt mir ununterbrochen
nu bestimmt al seit sechs Wochen
mit dem großen Einmaleins
und mit die Nebenfliß' des Rheins.

Meine Schwester Jerda bring
e Bräutgam, wo ihr schenkt e Ring.
Die is rein unjenießbar all,
bloß weil se nich durft' jehn zum Ball.
Sie meint', da hätt' wer anjebissen,
na, wo kann einer sowas wissen!
Was die, denk' ich mir, retten kann,
is e schener junger Mann
und mit meglichst sehr viel Jeld,
weil sie sich fier was Bess'res hält!

Fier die Mutter, da bring man,
wenn jeht, e neue Kaffeekann,
weil - ich will es man jleich sagen
ich die alte hab' zerschlagen.
Fierem Vater, denk' ich mir,
bring Angelhaken, Sticker vier.
Der letzte Hecht, dem er wollt' fangen,
is mitem Haken durchjegangen.

Fierem Opa möcht' e Pfeifche fehlen.
Der muß beim Rauchen sich al quälen,
weil die alte kaum mehr zieht
und dauernd ausjeht, das is Schiet.
Und bring' ihm auch e Paar dicke Socken.
Ach ja, und fier Omas Wocken
da bring, wenn kannst, e neue Spul',
weil ich tat wetten inne Schul,
daß, wenn ich mich streng' e bißche an,
ich ihm schneller trampeln kann.
Da is die Spul' inne Eck jeflogen
und seitdem total verbogen.

Sicher wirst ja längst al wissen,
was ich Jahrüber hab' berissen.
Die Mutter sagt, Du bist imstand
und guckst glattweg durch die Wand.
Ich möcht' fier alles mich entschuldjen,
und ich will mich jern jeduldjen
bis Du stehst vor uns're Tier.
Paß auf, und nu verrat' ich Dir:

Der Vater kriggt mich beim Schlawickel,
wie ich dem großen Perpendickel
einschwunken tat - so weit wie Platz -
und unten hing die kleine Katz!
Hätt' der Krät nich so jeschrien,
hätt' er mir vleicht noch verziehn.
Ich hatt' sie innem Sock jesteckt,
daß sie sich nich so verschreckt.
Die konnt' wie drei zujleich mijaun
und der Vater mich verhaun.

Keiner hat bis jetz jerochen,
daß ich al vor sieben Wochen
eine ganz kleinutsche Maus
aussem Stall bracht' rein in's Haus.
War halb verhungert, ach du Jammer;
nu huckt sie inne Speisekammer!

Ach, letztes Jahr war rein verrickt.
Dauernd wurd' ich doch bedrickt,
wenn ich Opas beste Schlorren
aufem Teich mitnahm zum Schorren,
und die Mutter war jeladen,
wenn ich bepuld dem Streußelfladen.

Am End' kannst auch Kritik vertragen,
na, denn möcht' ich bloß noch sagen:
Fier Nachbars Werner, dem Labommel,
bring' bloß nich wieder so e Trommel.
Der trommelt wie damlich - immerzu.
Nich mal Sonntag hält er Ruh!

Komm dieses Jahr e bißche schneller,
ich wart' so aufem bunten Teller!
Und häng' am Baum auch Kringel ran,
daß ich orntlich schmengern kann.
Verjeß bloß nich die Haselnisse!
Nu weiß ich nuscht mehr - schene Jrieße

Ingrid Koch

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Erinnerungen - Es weihnachtet sehr

von Alfred Funk

Es ist nun ein halbes Jahrhundert vergangen. An viele Sitten und Bräuche kann man sich nur - wenn überhaupt - noch schwach erinnern. So geht es mir auch. Ich will versuchen, die Zeit vor Weihnachten zu beleuchten. Sehr gute Hinweise habe ich in den Monatsbeilagen der "Ermländischen Zeitung" aus dem Jahr 1935 gefunden. So werde ich Sitten und Bräuche beschreiben, die auch im Kreis Rößel zum Kulturgut gehörten.

Die Allerheiligen kommen auf dem Schimmel, d.h., am 01. November fällt der erste Schnee. Diese alte Bauernregel traf meistens zu. Der weiße Winterbote bestätigte die Veränderungen. Durch die kürzere Tageszeit war bereits der gesamte Tagesablauf im Umbruch und man freundete sich schon mit den langen Winterabenden an. Unverkennbar die Vorbereitungen für Weihnachten. Die Frauen und Mädchen waren mit Handarbeiten voll ausgelastet. Gestrickt wurden Pullover, Strümpfe, Handschuhe und Schals, um nur die wichtigsten Dinge zu nennen. Es sollten Geschenke für die Familienangehörigen zu Weihnachten sein. Auch bei kinderreichen Familien bekam jedes Kind mehrere Geschenke.

Der Martinstag, 11. November, war in der Vorweihnachtszeit etwas Besonderes. An diesem Tag gaben viele Dienstboten ihre Stelle auf. Den "Martinspungel" schnüren, hieß den Dienst verlassen. "Martinmachen" bedeutete, den Dienst wegen eines Vorkommnisses aufgeben. Neue Dienstboten kamen zur Vorstellung. Die Mädchen wurden immer von einem Elternteil begleitet, meistens vom Vater. Sie bekamen Kaffee und Brot, der Vater sogar einen Schnaps. Anschließend fuhr das Mädchen nach der "Kist". Höhepunkt war zweifellos das Gänseschlachten. Diese Prozedur zog sich über mehrere Tage hin. Hier ging es ja nicht nur um das Fleisch und die Leckerbissen, sondern auch um die kostbaren Federn. Erstaunlich was die Gänse hergaben. Wickelpoten mit Schwarzsauer, Gänsebrust (geräuchert oder eingeweckt), Keulen und Leber eingeweckt und das Gerippe eingepökelt. Einige Gänse wurden in den Frost gehängt, damit zu Weihnachten der frische Gänsebraten gesichert war. An den Schlachttagen gab es lang ersehnte Leckerbissen, je nach Geschmacksrichtung oder Tradition. In vielen Haushalten war es Leber, manche bevorzugten Braten. Nicht zu verachten und beliebt war der Blutflinsen.

Der Apostel Andreas war der Schutzheilige des Bistums Ermland. Da der Andreastag (30. November) fast auf den letzten Tag des Kirchenjahres fällt, sagte man, er sei der "faulste Heilige", weil er zuletzt erscheine. Das Kirchenjahr beginnt am 1. Sonntag nach dem 26. November. Das ist auch der Beginn der Adventszeit. Advent (Ankunft) ist die Vorbereitungszeit auf die Ankunft Jesu bzw. auf Weihnachten. Der Adventskranz war in den ermländischen Familien selten zu finden. Allgemein üblich war er in Schulen und Kirchen. In der ersten Adventswoche wurde der Pfefferkuchen gebacken. Durch sein langes Liegen bekam er erst den richtigen Geschmack.

Am Nikolaustag gab es einen kleinen Vorschuß auf die Freuden zur Weihnacht. Am Tage vorher wurden die "Kletz" sauber gescheuert und ein bißchen Heu und Hafer für Nikolaus Pferd hineingetan. Die Klotzkorken stellten die Kinder so auf das Fensterbrett. Als Gegengabe legte der kinderfreundliche Bischof Äpfel, Nüsse und Pfefferkuchen in die Klötze. In manchen Gegenden ging es noch weiter. Da kam der Heilige in die Stube um zu sehen, ob die Kleinen auch artig sind. Jedes Kind mußte dann das "Vater unser" oder ein Gedicht aufsagen. Wer es gut machte, bekam Nüsse; die anderen Schläge. Zum Abschied will der Heilige den großen Sack abschultern, faßt aber am verkehrten Ende an. Äpfel und Nüsse und der ganze Inhalt rollen über die blankgescheuerten Dielen. Mit großem Hallo und Durcheinander endet der Auftritt.

Ab Mitte Dezember ging die Suche nach dem Weihnachtsbaum los. Es war mitunter echt eine Suche. In den ländlichen Bereichen wurde der Baum nicht gekauft. In den Bauernwäldern und Staatsforsten standen reichlich Tannenbäumchen. Dort schlug jeder seinen Baum, vielfach auch ohne Erlaubnis. An die schneebedeckten Bäumchen wurden strenge Anforderungen gestellt. So blieb es nicht aus, daß mehrere Tage gesucht werden mußte. Die Sitte mit dem Tannenbaum war im Ermland keineswegs uralt. Mit Sicherheit wurde er im Ermland erst um 1800 Allgemeingut. Bei allen Volksschichten war es überwiegend ein bunter Weihnachtsbaum mit viel selbstgebastelten oder selbstgebackenen Figuren.

Unmittelbar vor Weihnachten zwei uralte Bräuche, die jedoch unterschiedlich praktiziert wurden. Mit dem Brummtopf gehen. Hierzu taten sich gewöhnlich drei Jungen zusammen. Der erste hatte den Brummtopf, der zweite die Teufelsgeige und der dritte den Gabenkorb. Sie stellten sich zur Mittagszeit mit Gebrumm, Geklingel und Gesang ein. Der Lohn bestand aus Pfefferkuchen und für jeden ein Dittchen. Der Brummtopf war ein kleines hölzernes Faß mit einem Schaffell als Deckel. Das Schaffell hatte in der Mitte ein kleines Loch. Da wurde ein Büschel Pferdehaare durchgezogen, unten verknotet und ein Stückchen Holz quer durch die so entstandene Öse gesteckt. Die Pferdehaare konnten nun nicht herausgezogen werden. Sie mußten beim Spiel dauernd angefeuchtet sein. Die Teufelsgeige war am oberen Ende mit Glocken und Bändern verziert.

Das Besondere vor Weihnachten war der Schimmelreiter. In seinem Gefolge hatte er das Pracherweib, den Storch, den Zigeuner, den Gendarm oder Soldat, den Schornsteinfeger und natürlich den Bärenführer, der den mitgeführten "Bär" tanzen ließ. Sie kündigten sich mit Schlittenglocken, Peitschenknall und Musik an. In den Häusern ging es dann turbulent zu. Die Kinder verkrochen sich, denn die Eltern hatten schon oft mit dem Schimmelreiter gedroht. Wer sich mit dem Schimmelreiter nicht gut gestanden hatte, bekam eine Tracht Prügel. Der Schimmelreiter tobte wild in seinem Gestell und war immer zum Schlag mit der Peitsche bereit. Auf dem Fußboden kroch der Bär herum, in alte Pelze oder Erbsenstroh gehüllt, und kniff den Leuten in die Beine. Mit seinem langen spitzen Schnabel hackte der Storch in die Gesichter. Zärtlich war der Schornsteinfeger. Er war mit seinen Händen im Ofen und "puscheite" nun hauptsächlich die Frauen. Sie sahen danach schön schwarz und verruschelt aus. Das Pracherweib füllte den mitgeführten Korb mit den bereitgestellten Gaben (Äpfel, Pfefferkuchen usw.). Mit viel Lärm zog dann die Gruppe weiter. Angeblich hatte eine Frau im Ort das Schimmelgestell in Verwahrung. In der Weihnachtszeit gab sie es heraus und danach, wenn sie es wieder in den Kasten legte, sprach sie den Schimmelsegen, den die Frauen aber nie verraten haben.

Gesegnete Weihnachten und ein glückliches Jahr wünscht, verbunden mit heimatlichen Grüßen,
Alfred Funk, Normannenweg 9, 25524 ltzehoe.

Aus: Rößeler Heimatbote, Okt. 95

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