Ostpreußische Weihnachtsgedichte: |
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Ostpreußische Weihnachtserinnerung: |
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In jedem Jahr zur Weihnachtszeit, Bald naht ersehnt die Heil'ge Nacht, |
Zur Mette gehn die Leute gern, So feierten wir die Ankunft des Herrn, Aloys Sommerfeld |
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Lieber Weihnachtsmann! Mit Wünschen Bring mich eine Sittenmappe, Laß dem Kuchen nich geraten, Wenn er nämlich wird ganz klietschig, Marzepahn laß runter fallen Solche Kriemels gibt die Muttche Sonsten wünsch ich mir man wenig, |
Kallweits Katz bring mit dem Zagel Denn er hat mir oft geärgert, Neulich als ich ihm belapsde Kuhnke's Franz laß Masern kriegen, Und noch eins: Dem Stock vom Lehrer, Hast Du alles dies bedeichselt, A. de Resee |
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Nu bitte, lieber Weihnachtsmann, Drum wer ich man bescheiden sein Zuerst, das is das Wichtigste, Und wenn das nich zu machen geht, Dem Kuchen, wo de Muttche backt, Die andern tuen aller denn, |
Die Schmerzen, wo im Bauch denn gibt, Denn Asperin und FLiedertee Dem Rodelschlitten, wo ich will, Und sonst - na weiter is ja nuscht, Die Schularbeiten kann ich mir Nu heer ich auf, das Schreiben is Dr. Alfred Lau |
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Schlop in, min Kind, de Stov ist warm, Schlop in min Kind,eck wack bi di, Schlop in, min Kind, bunt is din Droom, Slop in, min Kind, 't is hillige Nacht, "Der heimattreue Ost-und Westpreuße" |
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Die wir in Todesschatten Ein Licht, dadurch wir schauen Ein Licht, das plötzlich fähret Simon Dach |
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"VOM HIMMEL HOCH'" "ICH BRING EUCH GUTE NEUE MÄR, -" "DER GUTEN MÄR BRING ICH SO VIEL, "DAVON ICH SING'N UND SAGEN WILL, "O HERR, DU SCHÖPFER ALLER DING, -" "SEI UNS VILLKOMMEN, EDLER GAST, -" "DAS HAT ALSO GEFALLEN DIR, -" "O DU HERZLIEBSTES JESULEIN, -" 0 laß es leuchten licht und fern Agnes Miegel |
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Wärscht du leevet Christuskind Onse Husdeer ös bi Nacht Weeke Wolle spönne wi Linne is ook ön de Load - Ach wi wörd di doch so jeern Käte Sender |
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Witt öngemummelt liggt de Welt - Dat ös de röchtge Winachtsloft - Ök kick mien Späältieg selig an - Nu huck ök oler Junggesell Mien Späältieg mi ganz schummrig stömmt - "Wie freit ons dat, ons oler Sään, De Mönsche wanke her on hen, Walter Scheffler |
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Brich an, du schönes Morgenlicht! Nun wird der König aller Welt, Der Himmel ist jetzt nimmer weit, Ein ewig festes Liebesband Wer ist noch, welcher sorgt und sinnt? Max von Schenkendorf |
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Min lewer goter Wiehnachtsmann De Opa brukt e nie Bröll, De Mudder schafft bet enne Nacht On wat dem Voader freie möcht, Ök wönsch mi far de Wintertied Di wönsch ök fer dem wiede Wegg Unbekannt |
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Wärst du, Kindchen, im Kaschubenlande, Nimmer wärst du in den Stall gekommen, Kindchen, wie wir dich gekleidet hätten! Hätten dir den eig'nen Gurt gegeben, Kindchen, wie wir dich gefüttert hätten, Gänsefleisch und Kuttelfleck mit Ingver, Und wie wir das Herz dir schenken wollten! Niemals würde eine Scheune brennen, Werner Bergengruen |
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Langsam ging das Jahr zur Neige, Ich wünsch mir, lieber Weihnachtsmann, Meine Schwester Jerda bring Fier die Mutter, da bring man, Fierem Opa möcht' e Pfeifche fehlen.
Sicher wirst ja längst al wissen, Der Vater kriggt mich beim Schlawickel, Keiner hat bis jetz jerochen, Ach, letztes Jahr war rein verrickt. Am End' kannst auch Kritik vertragen, Komm dieses Jahr e bißche schneller, Ingrid Koch |
von Alfred Funk
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Es ist nun ein halbes Jahrhundert vergangen. An viele Sitten und Bräuche kann man sich nur - wenn überhaupt - noch schwach erinnern. So geht es mir auch. Ich will versuchen, die Zeit vor Weihnachten zu beleuchten. Sehr gute Hinweise habe ich in den Monatsbeilagen der "Ermländischen Zeitung" aus dem Jahr 1935 gefunden. So werde ich Sitten und Bräuche beschreiben, die auch im Kreis Rößel zum Kulturgut gehörten. Die Allerheiligen kommen auf dem Schimmel, d.h., am 01. November fällt der erste Schnee. Diese alte Bauernregel traf meistens zu. Der weiße Winterbote bestätigte die Veränderungen. Durch die kürzere Tageszeit war bereits der gesamte Tagesablauf im Umbruch und man freundete sich schon mit den langen Winterabenden an. Unverkennbar die Vorbereitungen für Weihnachten. Die Frauen und Mädchen waren mit Handarbeiten voll ausgelastet. Gestrickt wurden Pullover, Strümpfe, Handschuhe und Schals, um nur die wichtigsten Dinge zu nennen. Es sollten Geschenke für die Familienangehörigen zu Weihnachten sein. Auch bei kinderreichen Familien bekam jedes Kind mehrere Geschenke. Der Martinstag, 11. November, war in der Vorweihnachtszeit etwas Besonderes. An diesem Tag gaben viele Dienstboten ihre Stelle auf. Den "Martinspungel" schnüren, hieß den Dienst verlassen. "Martinmachen" bedeutete, den Dienst wegen eines Vorkommnisses aufgeben. Neue Dienstboten kamen zur Vorstellung. Die Mädchen wurden immer von einem Elternteil begleitet, meistens vom Vater. Sie bekamen Kaffee und Brot, der Vater sogar einen Schnaps. Anschließend fuhr das Mädchen nach der "Kist". Höhepunkt war zweifellos das Gänseschlachten. Diese Prozedur zog sich über mehrere Tage hin. Hier ging es ja nicht nur um das Fleisch und die Leckerbissen, sondern auch um die kostbaren Federn. Erstaunlich was die Gänse hergaben. Wickelpoten mit Schwarzsauer, Gänsebrust (geräuchert oder eingeweckt), Keulen und Leber eingeweckt und das Gerippe eingepökelt. Einige Gänse wurden in den Frost gehängt, damit zu Weihnachten der frische Gänsebraten gesichert war. An den Schlachttagen gab es lang ersehnte Leckerbissen, je nach Geschmacksrichtung oder Tradition. In vielen Haushalten war es Leber, manche bevorzugten Braten. Nicht zu verachten und beliebt war der Blutflinsen. Der Apostel Andreas war der Schutzheilige des Bistums Ermland. Da der Andreastag (30. November) fast auf den letzten Tag des Kirchenjahres fällt, sagte man, er sei der "faulste Heilige", weil er zuletzt erscheine. Das Kirchenjahr beginnt am 1. Sonntag nach dem 26. November. Das ist auch der Beginn der Adventszeit. Advent (Ankunft) ist die Vorbereitungszeit auf die Ankunft Jesu bzw. auf Weihnachten. Der Adventskranz war in den ermländischen Familien selten zu finden. Allgemein üblich war er in Schulen und Kirchen. In der ersten Adventswoche wurde der Pfefferkuchen gebacken. Durch sein langes Liegen bekam er erst den richtigen Geschmack. Am Nikolaustag gab es einen kleinen Vorschuß auf die Freuden zur Weihnacht. Am Tage vorher wurden die "Kletz" sauber gescheuert und ein bißchen Heu und Hafer für Nikolaus Pferd hineingetan. Die Klotzkorken stellten die Kinder so auf das Fensterbrett. Als Gegengabe legte der kinderfreundliche Bischof Äpfel, Nüsse und Pfefferkuchen in die Klötze. In manchen Gegenden ging es noch weiter. Da kam der Heilige in die Stube um zu sehen, ob die Kleinen auch artig sind. Jedes Kind mußte dann das "Vater unser" oder ein Gedicht aufsagen. Wer es gut machte, bekam Nüsse; die anderen Schläge. Zum Abschied will der Heilige den großen Sack abschultern, faßt aber am verkehrten Ende an. Äpfel und Nüsse und der ganze Inhalt rollen über die blankgescheuerten Dielen. Mit großem Hallo und Durcheinander endet der Auftritt. Ab Mitte Dezember ging die Suche nach dem Weihnachtsbaum los. Es war mitunter echt eine Suche. In den ländlichen Bereichen wurde der Baum nicht gekauft. In den Bauernwäldern und Staatsforsten standen reichlich Tannenbäumchen. Dort schlug jeder seinen Baum, vielfach auch ohne Erlaubnis. An die schneebedeckten Bäumchen wurden strenge Anforderungen gestellt. So blieb es nicht aus, daß mehrere Tage gesucht werden mußte. Die Sitte mit dem Tannenbaum war im Ermland keineswegs uralt. Mit Sicherheit wurde er im Ermland erst um 1800 Allgemeingut. Bei allen Volksschichten war es überwiegend ein bunter Weihnachtsbaum mit viel selbstgebastelten oder selbstgebackenen Figuren. Unmittelbar vor Weihnachten zwei uralte Bräuche, die jedoch unterschiedlich praktiziert wurden. Mit dem Brummtopf gehen. Hierzu taten sich gewöhnlich drei Jungen zusammen. Der erste hatte den Brummtopf, der zweite die Teufelsgeige und der dritte den Gabenkorb. Sie stellten sich zur Mittagszeit mit Gebrumm, Geklingel und Gesang ein. Der Lohn bestand aus Pfefferkuchen und für jeden ein Dittchen. Der Brummtopf war ein kleines hölzernes Faß mit einem Schaffell als Deckel. Das Schaffell hatte in der Mitte ein kleines Loch. Da wurde ein Büschel Pferdehaare durchgezogen, unten verknotet und ein Stückchen Holz quer durch die so entstandene Öse gesteckt. Die Pferdehaare konnten nun nicht herausgezogen werden. Sie mußten beim Spiel dauernd angefeuchtet sein. Die Teufelsgeige war am oberen Ende mit Glocken und Bändern verziert. Das Besondere vor Weihnachten war der Schimmelreiter. In seinem Gefolge hatte er das Pracherweib, den Storch, den Zigeuner, den Gendarm oder Soldat, den Schornsteinfeger und natürlich den Bärenführer, der den mitgeführten "Bär" tanzen ließ. Sie kündigten sich mit Schlittenglocken, Peitschenknall und Musik an. In den Häusern ging es dann turbulent zu. Die Kinder verkrochen sich, denn die Eltern hatten schon oft mit dem Schimmelreiter gedroht. Wer sich mit dem Schimmelreiter nicht gut gestanden hatte, bekam eine Tracht Prügel. Der Schimmelreiter tobte wild in seinem Gestell und war immer zum Schlag mit der Peitsche bereit. Auf dem Fußboden kroch der Bär herum, in alte Pelze oder Erbsenstroh gehüllt, und kniff den Leuten in die Beine. Mit seinem langen spitzen Schnabel hackte der Storch in die Gesichter. Zärtlich war der Schornsteinfeger. Er war mit seinen Händen im Ofen und "puscheite" nun hauptsächlich die Frauen. Sie sahen danach schön schwarz und verruschelt aus. Das Pracherweib füllte den mitgeführten Korb mit den bereitgestellten Gaben (Äpfel, Pfefferkuchen usw.). Mit viel Lärm zog dann die Gruppe weiter. Angeblich hatte eine Frau im Ort das Schimmelgestell in Verwahrung. In der Weihnachtszeit gab sie es heraus und danach, wenn sie es wieder in den Kasten legte, sprach sie den Schimmelsegen, den die Frauen aber nie verraten haben. Gesegnete Weihnachten und ein glückliches Jahr wünscht, verbunden mit heimatlichen Grüßen, Aus: Rößeler Heimatbote, Okt. 95 |